Der Griff nach den Sternen – Ein astrologischer Rückblick auf den CDU-Trabanten Wulff

Samstag, 18. Februar 2012 14:02

Schon von Anfang an stand Christian Wulffs Präsidentschaft unter keinem guten Stern. Der niedersächsische Knödelbär war sein Leben lang nur die Umlaufbahn seiner Partei gewohnt. Wie ein Trabant umkreiste er die CDU-Führungspositionen und Kanzlerin Merkel. Weil diese jedoch befürchtete, er sei wie ein Meteorit auf Kollisionskurs, lobte sie ihn weg und ließ ihn gegen einen aufstrebenden Star der freiheitlich Moralischen, Joachim Gauck, dreimal antreten.

Gemeinsam mit seiner Frau Bettina wollte der neue Bundespräsident nun der am hellsten strahlende Stern am politischen Firmament sein. Doch schon bald geriet der Jungspund wieder in den Strudel seiner ehemaligen Umlaufbahn, als die Journalisten eifrig eine alte Sünde nach der anderen aufstöberten – Weltraumschrott, gewissermaßen.

Das Schicksal nahm seinen Lauf, und das funkelnde Amt im siebten Himmel der Politik bekam so einige schwarze Löcher. Wulff schrumpfte zunehmend zum weißen Zwerg, während die Presse versuchte, ihn – einer Supernova-Explosion gleich – aus dem Amt zu jagen.

Gestern um 11 Uhr erlosch der zehnte bundespräsidiale Himmelskörper unserer Republik, das jüngste Staatsoberhaupt besiegelte die kürzeste Amtszeit in 18 Sätzen.

Kanzlerin Merkel führt nun eine Mission an: Gemeinsam mit ihren Koalitionspartnern und sogar Teilen der Opposition ist sie nun einige Tage lang unterwegs, um neue Kandidaten zu finden, neue Chancen und neue Hoffnungsträger. Viele Lichtjahre von der normalsterblichen Gesellschaft entfernt dringen sie dabei in Abgeordnetenbüros vor, an die die Bevölkerung im Traum nicht gedacht hätte.

Hoffen wir, dass Frau Merkel ihr Team sicher durch den gefährlichen Asteroidengürtel des Poltikgeschäfts steuern vermag. Denn die Zukunft dieses wichtigen bundesrepublikanischen Amts steht zur Zeit – richtig, in den Sternen.

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Ein Plädoyer: Warum Ornella nach Baku muss

Donnerstag, 16. Februar 2012 10:56

“Manchmal muss ich selbst weinen wenn ich singe”, sagte die junge Yana in einem Einspieler in der Montagsausgabe von “Unser Star für Baku” – und weinte später tatsächlich auf der Bühne. Während sie sich durch ihren Auftritt jammerte, den sie am Ende der verstorbenen ausgeschiedenen Kandidatin Shelly widmete, war allen Zuschauern klar: Dramatischer, emotionaler, kitschiger geht es doch nicht mehr.

Aber man soll die Show nicht vor dem Finale loben, denn genau das findet heute Abend statt. Live im Ersten entscheidet Deutschland ab 20:15, ob Roman Lob oder Ornella de Santis im Mai eine aserbaidschanische Bühne betreten dürfen – knappe Livetabellen-Ergebnisse, dramatische Tränen und eine anglizismierende Jurorin Alina Süggeler sind wieder vorprogrammiert.

Was allerdings auch vorprogrammiert scheint: Roman wird gewinnen. Seit der ersten Sympathiewahl in der ersten Show tragen ihn die anrufenden Zuschauer auf einer sanften Welle der Zustimmung auf den ersten Platz. Bis auf eine Ausnahme war er am Ende der Sendung immer uneinholbar in der Pole Position. Er ist sympathisch, fröhlich, authentisch und kann oben drein sogar singen. “Unser Star für Baku” steht eigentlich schon längst fest.

Aber: Die Show steckt in einer Systemkrise. Das Halbfinale sahen mit 1,7 Millionen Zuschauern gerade einmal 9,5% der jungen Zielgruppe. Man guckt lieber Charlie Sheen, The Voice of Germany oder Gottschalk Live. Kleiner Scherz.

Das Problem ist, dass die Macher über all den Castingtrubel vergessen haben, worum es überhaupt geht. Da heißt es ständig “wer geht nach Baku, Sie entscheiden wer für uns in Baku singt” – aber diese Bakuzentrierung lässt vergessen, was überhaupt in Baku stattfindet. Es ist der Eurovision Song Contest und die Moderatoren täten gut daran, das mal wieder ab und an zu erwähnen.

Der Eurovision Song Contest soll kein Auffangbecken für sympathische Castingyuppies sein. Jedes Land soll einen eigenständigen, wertvollen Künstler auftreten lassen, der musikalisch und menschlich überzeugt. Einen Künstler, der europäische Ideale vertritt, die vielen verschiedenen Kulturen und Gesellschaftskreise unseres Kontinents in Verzückung vereint, der etwas über Verständigung und Internationalität aussagt.
Romans Aussage ist “Ich bin knuffig”, aber mit Ornella kann er nicht mithalten. Der Vater von Ornella de Santis ist Italiener, ihre Mutter Serbin. Ornella spricht fließend Deutsch, Englisch, Italienisch, Serbisch und Portugiesisch. Sie schreibt eigene Lieder und hat in Brasilien bereits ein recht erfolgreiches Album herausgebracht, jeder ihrer Auftritte in der ARD/Pro7 Show war bisher an Perfektion kaum zu überbieten.

Ornella ist eine Künstlerin, die genau das vertreten kann, worum es beim ESC geht. Mit dem richtigen Lied kann sie einen Hauch Internationalität auf die Bühne zaubern – einen Hauch, den die anderen Länder gerade aus Deutschland nicht vermuten. Ornella ist der Prototyp einer ESC-Sängerin, und das auf äußerst positive Weise. Und dass sie atemberaubend gut aussieht, ist der ganzen Sache auch nicht unbedingt unzuträglich.

Roman wird schon noch genug Chancen bekommen, aber der ESC ist ihm einfach nicht auf den Leib geschneidert. Lassen wir doch lieber eine Kandidatin wählen, die sich das große europäische Kleid mit Grazie und verheißungsvoller Würde anziehen kann. Go Ornella!

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Super Bowl 46 – die Revanche für ein legendäres Spiel

Mittwoch, 1. Februar 2012 12:45

It’s that time again! Wie jedes Jahr melde ich mich Anfang Februar zu Wort, um euch die kommende Super Bowl, das Endspiel der National Football League, etwas schmackhaft zu machen. Wer immer noch nicht weiß, was die Super Bowl ist, dem seien bisherige Artikel zum Thema nahe gelegt.

Wir graben uns direkt tief hinein in die Materie, denn die Amis lieben Statistiken – und kennt man die, wird einem die Tragweite der diesjährigen Partie bewusst…

Die Teams

Auf der einen Seite stehen die New York Giants. Sie haben bereits drei Mal die Super Bowl gewonnen, werden gecoachet von einem alten strengen Puristen namens Tom Coughlin, ihr Quarterback heißt Eli Manning. Manning, Manning… da war doch was. Wenn ihr das jetzt denkt – sehr gut! Denn die Mannings sind alte Bekannte. Papa Manning spielte in den 1970ern für New Orleans und hat gewiss auch seinen Anteil daran, dass seine beiden Söhne derzeit zu den besten Quarterbacks der Liga gehören.

Peyton Manning wirft bei den Indianapolis Colts die Bälle und hat bereits einen Titel gewonnen. Sein kleiner Bruder Eli stand immer ein bisschen in seinem Schatten – aber aus dem hat er sich diese Saison herauskatapultiert! Er hat ein paar grandiose Spiele bestritten, viele Touchdowns geworfen und stets durch seine Coolness bestochen. Er führte die Giants bereits zu einem Titel (wie, davon ist später die Rede), das heißt am kommenden Sonntag (ab 0.00h live auf Sat1) könnte er den großen Bruder übertrumpfen!

New York hat es gerade so eben in die Playoffs geschafft, das war alles verdammt knapp. Aber seitdem sie in den Playoffs sind, hauen sie ihre Gegner förmlich weg. Harte Defensive, gelungene Passofensive – hier stimmt das meiste, die Giants sind ein komplettes Team.

Sind sie deswegen die absoluten Favoriten? Nein.

Denn ihnen gegenüber steht niemand geringeres als eins der besten Teams des vergangenen Jahrzehnts – die New England Patriots. Lange Zeit in ihrer Geschichte waren sie eher irrelevant, aber dann kam Quarterback Tom Brady. Zusammen mit dem Trainerfuchs Bill Belichick formte sich ein bärenstarkes Team, das 2001, 2003 und 2004 die Super Bowl gewann. Im Moment sind die Patriots so etwas wie der FC Bayern der NFL: Gegen die zu gewinnen macht so richtig Spaß, weil sie eigentlich immer die Favoriten sind.
Mal sehen, ob die Giants so einen Spaß haben werden.

Die Legende

Denn New York hatte schon einmal den größten Spaß, den man sich vorstellen kann. Dafür reisen wir mal kurz zurück in der Zeit:

Wir schreiben das Jahr 2008. Es ist Februar, es ist Zeit für die Super Bowl. Die Gegner umtänzeln einander argwöhnisch, bevor der Ring freigegeben wird zum größten Sportspektakel des Jahres. Auf der einen Seite: Die New England Patriots, das perfekte Team. Sie haben jedes Spiel in dieser Saison gewonnen, und die meisten davon souverän und eindrucksvoll. Ein Sieg in der Super Bowl würde sie zum ersten Team in der NFL-Geschichte machen, das 19 Siege und 0 Niederlagen aufzuweisen hat.
Auf der anderen Seite: Die New York Giants! Ihre Saison war alles andere als perfekt, ihr Quarterback Eli Manning gilt als Softy, er wirft oft den Ball der gegnerischen Defensive in die Arme.

Die Saison lief dermaßen gut, da hat Tom Brady  nichts zu befürchten. Nachdem einer der Giants vorhergesagt hat, sie würden gegen New England 24-20gewinnen, zeigt Brady lachend seine strahlend weißen Zähne: “Wie, ich soll nur 20 Punkte machen?”

Endlich ist das große Spiel da – und die Giants sind bereit, Tom Brady vergeht sein arrogantes Grinsen schnell. Lange Zeit wird kein Touchdown erzielt, die Patriots gehen mit einer mageren 7-3 Führung in die Halbzeitpause. Eli Manning zeigt sich cool und abgeklärt, er geht mit seinen Giants 10-7 in Führung. Doch dann ist es Zeit für die Patriots: Souverän wie eh und je, unwiderstehlich und unaufhaltbar, marschieren sie das Feld hinunter. Touchdown New England und nur noch 2:42 Minuten zu spielen – die perfect season ist zum Greifen nah.

Eli Manning bekommt also eine letzte Chacne, das Spiel noch zu drehen. Es ist dramatisch, es ist knapp, es misslingt – fast. Auf einmal passiert etwas, was als einer der grandiosesten Spielzüge in die Super Bowl Geschichte eingehen wird.

Eli Manning nimmt den Ball, um ihn zu passen, er ist immer noch 50 yards von der Endzone entfernt und hat nicht einmal mehr eine Minute übrig. Die Defensive rennt ihm entgegen, er weicht einem Gegenspieler aus, die Kampfmaschine rennt ins Leere. Doch dann ist Eli fällig. Ein Gegenspieler, er wiegt grob geschätzt eine Tonne, packt ihn von hinten am Trikot, einer seiner Kameraden kommt zu Hilfe. Sie zerren an Eli, doch der will nicht zu Boden gehen. Er schüttelt sich frei, rennt weg, feuert den Ball in einer letzten Verzweiflungstat blind nach vorne, irgendwo hin. Und da steht einer seiner Receiver! Der "Helmet Catch", Quelle: giantsoutsider.files.wordpress.comDavid Tyree heißt er, er steigt in die Luft, kriegt den Ball zu packen. Genau in dem Moment wird er umgehauen von einem Verteidiger der Patriots. Tyree, während er durch die Luft segelt, umklammert verzweifelt mit einer Hand den Ball und drückt ihn sich gegen den Helm. Beide landen krachend auf dem Boden, aber Tyree hält den Ball nun sicher in den Händen. Die Giants sind auf einmal nahe der Endzone, ein unglaublicher Spielzug, ein Wunder.

Mit dem nächsten Spielzug erzielt Eli Manning den spielentscheidenden Touchdown, die Giants siegen 17-14, Tom Brady schafft nicht einmal 20 Punkte. Die Patriots sind entgeistert: Futsch ist ihre perfekte Saison! Die Welt feiert den Sieg der größten Underdogs aller Zeiten und New York veranstaltet eine Konfettiparade für ihre riesige Giants.

Zurück in die Gegenwart.

Das hat den New England Patriots damals natürlich ganz schön weh getan. Viele Spieler von vor vier Jahren sind auch noch dieses Jahr dabei. Die Giants, diesmal nicht mehr so krasse Außenseiter, wollen es noch einmal tun, wollen die “Pats” noch einmal schlagen. Mögen tun sich die beiden Team nicht. Schenken werden sie sich deswegen auch nichts.

Es ist schwierig, einen Sieger zu tippen, denn beide Teams sind zurecht in der Super Bowl. New York hat sich mit viel Herz und starker Moral durch die Saison gekämpft, mit den Patriots hingegen muss man einfach immer rechnen. Das wichtigste für beide Teams wird sein, den gegnerischen Quarterback unter Druck zu setzen und zu verhindern, dass er zum Spielen kommt. Mal sehen, wer es schaffen wird… ich hoffe auf die Giants. Und auf Eli.

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Grausame Neutralität – “Marija” im Düsseldorfer Schauspielhaus

Mittwoch, 1. Februar 2012 10:08

Mit Isaak Babels „Marija“ lässt Regisseurin Andrea Breth brillante Akteure des Düsseldorfer Schauspielhaus schwere Kost präsentieren. Die nächsten Vorstellungen sind am 11. und 12. Februar.

Den Arm in der Schlinge, die Beine amputiert, das halbe Gesicht entstellt – die Revolution zehrt an den drei Gestalten der Eröffnungsszene, die vor einer gefühlten halben Ewigkeit gestandene russische Herren waren.

In Isaak Babels Drama „Marija“, das im Petrograd der 1920er Jahre spielt, sind die Protagonisten arg vom russischen Bürgerkrieg und der Fehde mit Nachbarland Polen gezeichnet. Nahrungsmittel sind knapp, der bitterkalte Winter setzt ihnen zu. Ihre Welt befindet sich im Umbruch, die Epoche der Zaren ist beendet, die Bolschewiki haben eine fragile Macht inne.
Herzerwärmend ist allein die betäubende Wirkung des Alkohols, gepaart mit blassen Erinnerungen an bessere Zeiten – und an Marija.

Die Namensgeberin für das aufwändig inszenierte Stück im Düsseldorfer Schauspielhaus ist auf der Bühne allgegenwärtig – jedoch nur in den komplexen, vieldeutigen Dialogen der Charaktere. Denn sie selbst hat sich der Roten Armee angeschlossen und kämpft nun für sie an der polnischen Front.
Unter anderem Marijas Vater und Schwester bilden ein schockierendes Exempel, das den Niedergang einer stolzen Familie porträtiert. Vater Nikolai Mukownin, der unter dem Zar als General gedient hat, geht nun vor Kummer ein. Die jüngere Schwester Ludmilla schlägt ohne die Protektion Marijas über die Stränge, gibt sich Alkohol und Verführungen hin, bis sie von einem Tripper-Kranken vergewaltigt wird.

Isaak Babel, der Ende der 1930er von Stalinisten hingerichtet wurde, schildert in eindrucksvoller Nüchternheit den gegensätzlichen Abgrund von Armut und wolllustiger Sucht und die mutwillige Demontage verkommener Ideologien. In der atmosphärischen Inszenierung wird diese Praxis gekonnt aufgegriffen: Trotz Sex- und Gewaltdarstellungen hält sich Andrea Breth an das Leitbild grausamer Neutralität, Wertungen oder erhobene Zeigefinger werden umsonst gesucht

In dem außergewöhnlich großen Ensemble brilliert unter anderem Marie Burchard als junges, lebensfrohes Ding, das die Härte des Lebens auf voller Breitseite abbekommt. Burchard lässt das Publikum mitleiden, während Ludmillas Verve jäh gebrochen wird und sie desillusioniert und geschändet in Milizhaft endet. Auch Imogen Kogge, Ludmillas Mutter Katja verkörpernd, begeistert: Gekonnt mimt sie die verletzte Offiziersfrau, die krampfhaft versucht, sich an den verbleibenden Fetzen Würde und Stolz festzuhalten. Stets lässt sie allerdings subtil die Impulsivität hervorschimmern, die unter ihrer gefassten Oberfläche schlummert.

Es ist keine leichte Kost, die dem Düsseldorfer Publikum in acht zuweilen atemberaubend filmschnittigen Bildern präsentiert wird. Nach dem fatalen Schlussstrich gescheiterter Eltern wird ihr Hab und Gut veräußert, die dereinst feudale Wohnung steht im letzten Bild des Theaterabends leer und wird für die neuen Protagonisten der russischen Geschichte hergerichtet. Der Vorhang fällt zum orchestralen, gewaltigen Brausen eines Marsches des Proletariats.

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A fucking privilege: Coldplay in Köln!

Montag, 19. Dezember 2011 13:00

Am 15. Dezember schauten Coldplay zur Freude von uns Fans in der Lanxess Arena Köln vorbei. Aber wir waren nicht die einzigen, die sich freuten: “Germany is so beautiful in December”, schwärmte ein schweißtropfender Chris Martin nach einigen Liedern, “it’s a fucking privilege to come here and play for you.”

Also eine win-win situation! Das war dem Publikum allerspätestens zu Konzertbeginn klar. Die mysteriösen Xylobands, die am Eingang verteilt und ums Handgelenk gebunden wurden, offenbarten ihren Zweck gleich zu Beginn, als die vier englischen Superstars im Dunkeln die Bühne betraten: Zum ersten Akkord leuchteteten – per Funk gesteuert – alle Bänder (über 16.000 Stück) in der Arena auf und die ersten Schlachtenbummler jubelten sich ins Delirium.
Die Ekstase kannte also bereits zu Beginn des ersten Songs “Hurts Like Heaven” keine Grenzen – und ließ auch in den folgenden 90 Minuten nicht nach. Beim zweiten Song (“Yellow”) fielen riesige, bunte, konfettigefüllte Ballons von der Decke. Beim dritten Song (“In My Place”) wurde der Arenaboden fingerdick mit bunt wirbelndem Konfetti bedeckt.

Über die Hälfte der Setlist setzten Coldplay aus ihren neusten beiden Alben Mylo Xyloto und Viva La Vida zusammen, aber auch Klassiker durften nicht fehlen! Sei es “Shiver” in einer überwältigend simplen und schönen Darbietung auf einer kleinen Sonderbühne oder “God Put A Smile Upon Your Face” in einer im wahrsten Sinne des Wortes aufgemotzten Hardrock-Version, an deren Ende der hyperaktive Souverän Chris Martin seine E-Gitarre meterweit durch die Luft schleuderte und die Band den Aufprall des Saiteninstruments mit einem krachenden Schlussakkord bedachte.

Von Highlights zu sprechen ist bei einem Coldplay-Konzert leicht verfehlt – besteht die anderthalbstündige Meistershow doch ausschließlich aus Höhepunkten: Traditionellen, obligatorischen (“The Scientist”, “Fix You”), sowie neuen (“Viva la Vida”, “Paradise”), die nie mehr fehlen dürfen.

Nach einer unheimlich lauten, beeindruckend energiereichen und bewundernswert erstklassigen Show, in der aber auch leise Töne nicht zu kurz kamen (“Us Against The World”, “White Christmas”), müssen nun einige Kritiker und Experten ihr Bild von Coldplay etwas überdenken:
Rockig und schweißtreibend wie nie mit “phätten” Beats und Spotlight-Gitarrensolos zerhacken die Ausnahmemusiker mehr und mehr das Bild vom Stadionkuschelrock mit feinen Melodien, der bisher ihr Treiben dominiert hatte. Nicht, weil sie das nicht mehr können (sie beherrschen es immer noch so gut wie vielleicht keine andere Band der Welt) – sondern weil sie mittlerweile viel mehr als das können!

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Frieden kommt nicht aus der Steckdose

Mittwoch, 16. November 2011 18:19

Bei der von der HHU präsentierten Veranstaltungsreihe „Mein Europa“ gelingt Martin Schulz ein spektakulärer Vortrag

Ein Ausruf zu Beginn ruft Erstaunen im Zuschauerraum hervor: „Wir haben keine Euro-Krise!“ Nein, die Währung ist stabil wie kaum eine andere auf der Welt, die schlimmsten Hiobsbotschaften konnten der Euro-Stärke nichts anhaben. „Was wir haben, ist eine Krise derjeniger, die die Währung managen!“

Um dieses Argument zu unterstützen, zerreißt Martin Schulz, zukünftiger Präsident des Europäischen Parlaments, an diesem Donnerstagabend in Düsseldorf plakativ die Regierungschefs einiger der wichtigsten Euro-Länder:

Merkel sitzt mit dem Bewusstsein am europäischen Konferenztisch, dass bei einer Ablehnung der Euro-Politik durch die FDP das Ende der Bundesregierung besiegelt wäre. Sarkozy liegt in Meinungsumfragen bei 39% der Franzosen in der Gunst, sein Herausforderer bei 61% (Schulz: „Das freut mich persönlich sehr!“). In Italien hat jahrelang eine zusammengekaufte Mehrheit nichts anderes getan, als ihren Regierungschef vor der Strafverfolgung zu schützen. In Holland existiert eine Minderheitsregierung, die von dem Faschisten Geert Wilders toleriert wird – dessen primäres Ziel: Abschaffung der EU. Und Belgien hat seit 17 Monaten keine Regierung und streitet sich darüber, ob es sich in zwei Staaten zerlegen soll, die beide nicht einmal die geringste ökonomische Überlebenschance hätten.

Schulz‘ Redestil ist keine Nadelspitzenrhetorik: Immer und immer wieder zieht er mit entwaffnender Ehrlichkeit und purer Konfrontationslust dem Zuschauer einen Holzhammer über den Schädel – mit der Hoffnung, es möge sich ein heilsamer Schockzustand einstellen. Man kennt dieses Publikumserlebnis auch als Volker-Pispers-Effekt: Die schonungslose Aufdeckung von Mängeln offenbart so absurde Zusammenhänge, dass man eigentlich laut lachen will. Doch das Bewusstsein, dass das Gesagte der Wahrheit entspricht, setzt einem einen dicken Klos in den Hals und hindert jegliches Kichern am Enteilen.

Gegen die kenntnis- und zahlenreichen Ausführungen von Martin Schulz ist kein Kraut des Widerspruchs gewachsen, der Mann hat einfach Recht. Das will man jedenfalls glauben, wenn man ihn live erlebt. Leidenschaftlich kämpft er für „sein Europa“: Ein Europa des Friedens, der Gerechtigkeit, der Solidarität – und vor allem des Respekts. Emotional argumentiert er, als helfe es ihm, jeden einzelnen Anwesenden im Saal zu überzeugen. „Dieser Wiener Kongress, der in Brüssel hinter verschlossenen Türen tagt und nachher den erstaunten Untertanen mitteilt, dass er sich wieder nicht geeinigt hat – das kann doch keine europäische Regierung sein!“

Dass man dringend eine funktionstüchtige Leitung braucht, ist evident. Denn: „Wir haben die Wahl, uns zum Euro zu bekennen und an unsere gemeinsame Kraft zu glauben – oder an politischer Uneinigkeit zu zerbrechen und als Einzelteile irrelevant in der Welt unterzugehen.“ 92 Prozent der Weltbevölkerung, erinnert Schulz, leben nicht in Europa – doch die Kontinentbewohner benehmen sich, als sei es genau umgekehrt. Spöttisch zerreißt er im Vorübergehen Lettland, die gnädigerweise der Weltmacht China eine strategische Partnerschaft angeboten hätten.

Er reist durch die Welt, um Europa anzupreisen. Und er reist durch Europa, um die Menschen zu warnen: „Das europäische Projekt kann scheitern! Die Kräfte, die den Euro zerstören wollen, die sind da!“ Kurz skizziert er den Fall des Falles: Deutschland, mit Abstand stärkste Wirtschafts- und Exportmacht in Europa, würde eine dramatische Aufwertung der eigenen Währung erleben, deutsche Produkte würden zu teuer und kämen nicht mehr im europäischen Binnenmarkt an – 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts würden vor die Hunde gehen. „Deshalb ist das Risiko der aktuellen Rettungspolitik berechtigt.“ Allerdings nicht – Seitenhieb auf Merkel – ,alternativlos‘: Alternativen gebe es immer, so der SPD-Politiker. Die Aufgaben der Bundesregierung sei nicht, arrogant zu behaupten es gebe keinen anderen Weg – sondern verschiedene Wege aufzuzeigen und zu begründen, warum man den eingeschlagenen ausgewählt hat.
Die europäische Politik habe den Menschen viele Jahrzehnte Frieden und Wohlstand gebracht – für seine Kinder, so Schulz, sei Adolf Hitler ungefähr so entfernt wie für ihn Friedrich der Große. „Doch da liegt die Gefahr: Frieden kommt nicht aus der Steckdose wie Strom“, es gebe keine Garantie, dass es künftig friedlich bleibe.

„Wir brauchen ein europäisches Wahlrecht, wir brauchen europäische Ratingagenturen, wir brauchen Regierungschefs, die hinter Europa stehen und gemeinsam regieren.“ Sein Konzept sei hochkontrovers, gibt er zu. „Ich bin vorlaut, schieße manchmal übers Ziel hinaus – und einige Leute sagen zurecht ,der hat sie doch nicht mehr alle.‘“
Aber: Er ist überzeugt, bereit, voller Tatendrang. Martin Schulz glaubt an Europa, hat eine Ideologie – und das ist selten genug in diesen Zeiten. Hört den Mann an.

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Tod durch Erpressung: Die europäische Demokratie

Donnerstag, 3. November 2011 18:27

“Bundeskanzlerin Angela Merkel hat (…) von den EU-Staaten (…) mehr Demokratie verlangt.” “Frankreichs Präsident Sarkozy (…), der ‘Kämpfer für die Demokratie’ aus dem Élysée-Palast.”

Für alle westeuropäischen Politiker ist es stets schick, groß und pathetisch die Demokratie anzupreisen. Die Demokratie, also z.B. Volkssouveränität und politische Mitbestimmung der Bürger. Auf uralten und ehrwürdigen Prinzipien basierend ist sie die vielleicht höchste und erstrebenswerteste Staatsform.

Die Europäer leben zum größten Teil in Demokratien, und das ist auch gut so. Sie können ihrem politischen System vertrauen und darauf setzen, dass durch die Mehrheit der Bürger bemächtigte Volksvertreter im Sinne ihrer Wähler handeln.
Und wer hat’s erfunden? Die Griechen.

Hinter diesem Hintergrund ist es unfassbar, was derzeit rund um die Euro-/Finanz-/Wirtschafts-/Schulden-Krise geschieht. Eine bürokratische Monsterinstitution, die Europäische Union, präsentiert sich mit Billionen von Euro, ständigen Krisensitzungen und markigen Sprüchen als problemlösende Instanz. Dabei ist sie selbst ein sehr großer Teil des Problems.

Denn “das europäische Volk”, das in der Union vertreten werden soll, gibt es nicht; zu unterschiedlich sind Kultur, Sprache und Identität der einzelnen Mitgliedsstaaten. Die Europawahlen haben zudem wegen geringer Wahlbeteiligung ein Legitmationsproblem – dabei lässt sich mit diesen Abstimmungen sowieso nur die Zusammensetzung eines schwachen Parlaments beeinflussen.

Die demokratischen Staaten geben zunehmend Souveränität ab an ein nur bedingt demokratisches Gefüge. Die Europäische Union steckt in einer Systemkrise. Doch ist der Ruf erst runiniert…

Die sonst zaudernde EU hat Griechenland unter strengen Auflagen Unmengen von Geld versprochen. Strenge Auflagen, welche die Mehrheit des griechischen Volks auf Jahre hin einschränken und regulieren werden… Aber immerhin gehen die Zahlungen mit einem Schuldenschnitt und dem nett gemeinten Hinweis einher, dass bei Nichtakzeptanz des Rettungspakets dem gesamten Staat der Untergang drohe.

Und was macht der sonst zaudernde Premierminister Papandreou? Der will seine Bürger fragen. Volksabstimmung, direkte Demokratie und so. Ein Aufschrei geht durch Europa. Was, wenn die Griechen das Rettungspaket ablehnten? Man betrachtet mit Sorge wütende Demonstranten, die um ihre Zukunft fürchten, und spricht ihnen die Entscheidungskompetenz ab. Bloß nicht das Volk mitentscheiden lassen!

Nach einer kurzen Schockstarre überschlagen sich dann die Ereignisse: Wir lassen uns den Euro nicht von einem Bürgerentscheid kaputt machen, wettern Sarkozy und Merkel, die Kämpfer für Demokratie. Und sie halten die demokratiedefizitäre Europäische Union dazu an, alle Zahlungen an Griechenland sofort zu stoppen.

Ob sich Griechenland mit oder ohne Rettungsschirm und Schuldenschnitt retten lassen und welche Auswirkungen das Schicksal der Hellenen auf den Rest Europas haben wird, ist bis heute noch völlig unklar. Doch wollen es die starken Anführer in Europa (durchaus verständlicherweise) nicht darauf ankommen lassen.
Was sie allerdings mit dem Zahlungsstopp an das überklamme Griechenland tun, ist reine Erpressung. ‘Pack deine Demokratie wieder ein, Papandreou, hier muss rasch gehandelt werden!’, so scheint die Botschaft.

Papandreou passt sich dem Überweisungsträger an und erstarrt. Dann wankt er. Schließlich gibt er nach. Direkte Bürgerbeteiligung abgesagt, die Drohung Europas ist im Ursprungsland der Demokratie angekommen und hat seine Wirkung nicht verfehlt.

Der 3. November 2011 wird vielleicht als Tag des mutigen Aktionismus in die Geschichte eingehen, der Griechen- und Euroland vom Abgrund weggezerrt hat. Oder als Anfang vom Ende der europäischen Demokratie.

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Manni und die grölende Meute

Mittwoch, 2. November 2011 12:13

Bier ist in der Luft. Mit jedem Atemzug, den man im Flingener Kult(ur)schuppen zakk unternimmt, ist der Gerstensaft allgegenwärtig. Doch wen wundert`s, denn schließlich geht es heute Abend um Fußball. Bier und Fußball – zu viel Klischee? Zu viel Klischee geht nicht. Nicht, wenn sich die Menschen zusammenfinden, um Manni zu erleben.

Manni Breuckmann, lebende Fußballlegende, Reporter-Ikone, Schutzpatron der Fans von Fußball und Fußballkultur, hat sich an diesem Mittwochabend mit dem Autoren Ben Redlings für einen „fröhlichen Fußallabend“ zusammengetan.

Auf dem Ankündigungsfoto des zakk drückt sich Redelings hinter Mannis Sakko-Schultern im Hintergrund, und so ist auch auf der Bühne an diesem Abend die Rangordnung klar vorgegeben. Redelings verhaspelt einige seine Anekdoten, wirkt unsicher und klammert sich ein wenig zu sehr und zu offensichtlich an der Promotion seiner geschriebenen Werke fest.
Auf der Gegenseite braucht es nur ein Wort von Manni, um den Saal in grölendes Gelächter ausbrechen zu lassen – und spätestens als er in bester Rockstar-Manier seinen leider völlig in Vergessenheit geratenen Hit „I‘m Your Radio“ singt, hat Redelings das ungleiche Duell an diesem Abend verloren.

Souverän vergnügt der 60-Jährige sich und sein Publikum in bester Comedian-Manier, versetzt die Zuschauer mit jedem Kommentar in Begeisterung.
Das liegt nicht zuletzt daran, dass ein Wort von Manni jeden der jungen wie alten, sportlichen wie bierbauchigen Männern und Frauen in ihre Kindheit versetzt. Sie alle saßen samstags zitternd vor dem Radio und lauschten, wie Manni und seine Kollegen auf WDR2 die Bundesliga kommentierten. Diese unverkennbare Stimme, die Manni-Stimme: Immer ein bisschen höher als normal, immer recht aufgeregt, immer mit klarer Ruhrgebiets-Verortung.
Man glaubt ihn zu kennen, schließlich hat man Stunden seines Lebens mit Manni verbracht. Doch scheinbar fühlte er sich beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk etwas eingezwängt – denn hier auf der Bühne genießt er es offensichtlich, die Sau rauszulassen. Er zügelt seine ruhrgebietlerische Zunge nicht, flucht, pöbelt scherzhaft, geht auf Konfrontation.

Zu Beginn herrscht er das Publikum an: „Der Erste, bei dem ein Handy klingelt, kriegt ‘ne Dauerkarte vom 1. FC Köln!“, den ohnehin verunsicherten Redelings pariert er, nachdem Redelings ihn vorstellen sollte, trocken mit „Schleimer“.
Der Running Gag des Abends: „Jetzt müssen wir aber auch mal was zur Fortuna sagen.“ Und wenn man schon denkt, da kommt nichts mehr, lässt er sich doch noch zu einer Äußerung bewegen: „Ich habe mal gesagt ,Holt die Antidepressiva raus, Fortuna Düsseldorf spielt!‘“ Es sei Jahrzehnte lang auch furchtbar gewesen, Düsseldorfer Spiele zu kommentieren – aber im Moment ist er höchst beeindruckt von den Rot-Weißen: „Ich glaube sogar fast, dass die das nicht mehr vergeigen werden mit dem Aufstieg!“

Nach jedem Kapitel, jeder Anekdote oder spöttischem Kommentar grinst Manni schelmisch und gönnt sich einen Schluck von seinem Weizenbier. Alkoholfrei, wie er später einräumt – „auf der Bühne wird nich‘ gesoffen“.
Rasant und kurzweilig sind die „Zweimal 45 Minuten“ der beiden – sie kalauern sich von einem selbst verfassten Textstück zum nächsten witzigen Spielerzitat oder lassen die beseelte Menge förmlich am Boden liegen vor Lachen, wenn sie im nüchternen Wechselspiel einen im Original von Berti Vogts ausgefüllten Fragebogen der FAZ vortragen („Lieblingsschauspieler? ,Diverse.‘ Lieblingsautor? ,Unbekannte Autoren.‘“)

In der Halbzeitpause und nach Schlusspfiff der Lesung signieren die Protagonisten frisch erstandene Ausgaben ihrer literarischen Ergüsse. Manni kritzelt „Für (Name), Tooor!! Manni Breuckmann“. Und auch wenn man seinen Fuß nach draußen in die Nebelschwaden von dutzenden hastig entflammten Zigaretten der Fußball-Fanatiker setzt, hat man noch seine Stimme im Kopf. Legendäre Torschreie eines großartigen Kommentators, der auf seine fast alten Jahre ein großartiger Entertainer geworden ist.

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Nur meine Meinung: Das Ende ist nah

Freitag, 29. Juli 2011 9:32

Am 21.12.2012 endet der Maya-Kalender – und seit Jahren warten Verschwörungstheoretiker, Astrologen und Sekten zu diesem Datum auf das Ende der Welt. Blödsinn, natürlich. Doch wie lang haben wir noch?

Wir leben in einer Welt, deren Entwicklung sich stetig rasant beschleunigt. Die Ereignisse überschlagen sich, die Extrema übertreffen sich, die Welt gerät aus den Fugen. Sie gerät aus den Fugen? Nein, sie ist es schon längst!
Beispiellos dreht sich die Gewaltspirale und fallen ganze Staaten wie Dominos im “Arabischen Frühling”.
In Afrika verhungern zwar schon immer Kinder, aber scheinbar geht es jetzt auf den Endspurt zu im Wettrennen zwischen Humanität, Ignoranz und Geiz.
In einem der wichtigsten Ländern der Erde streiten sich zwei Parteien so verbittert, dass sie lieber mit dem gesamten Land in der Zahlungsunfähigkeit untergehen als einen Kompromiss ausmachen würden.
Auch in Deutschland streiten sich zwei Parteien verbittert, doch befinden die sich in einer Regierungskoalition und vergessen über all die Querelen das Regieren – worüber man wahrscheinlich auch noch irgendwie froh sein muss.
Und in einem der friedfertigsten Ländern der Welt ist auf einmal eins der widerlichsten Attentate möglich, dass jemals verübt wurde.

Leute, wir stehen am Abgrund. Es wird einfach alles zu viel! Sehenden Auges und mit wehenden Fahnen rennen die Menschen ins Chaos.
Mit den flatternden Bannern wehren sich die einen gegen ein Gebäude für Schienenfahrzeuge, als ginge es um den Sturz eines Diktators. Die nächsten bescheißen, wo es geht, um die harte Währung Europas zu erlangen – und machen sie damit weich wie Nutella im Backofen. Und die anderen treffen sich regelmäßig, um über Temperaturen, Meeresspiegel und Gasausstöße zu diskutieren – nur um nachher ein Dokument zu unterschreiben, in dem sie das Problem der Klimaerwärmung anerkennen, na immerhin.
Doch keiner unternimmt etwas. Die erste Hälfte des Jahres war mit die trockenste und wärmste aller Zeiten, dafür haben wir im Sommer Novemberwetter. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. In Afrika wird alles noch dürrer, in Australien standen Flächen so groß wie Länder unter Wasser, in den USA wüten abwechselnd Wirbelstürme, Hitzeperioden und im Winter beispiellose Schneegestöber. Und ach ja, in Japan war ja auch noch was.

Man ist versucht zu fragen, wie lange das eigentlich noch gut gehen soll. Doch wieso eigentlich “noch”? Es läuft doch nichts mehr gut! Gut, wir laufen jeden Morgen in unsere gleiche Routine hinein – aber wir können das Schicksal doch auch gar nicht mehr aufhalten.

Wann stürzt Europa in die richtige große Krise? Wann versinken die ersten großen Inselstaaten im Meer? Wann ist Afrika lebensleer, aber dafür voll mit ausgemergelten Leichen? Wann begehen brave Bürger die ersten S21-Morde? Wann gibt es den ersten wahren Super-GAU? Wann greift der Iran die Welt an? Wann greift die USA den Iran an?

Der 21. Dezember 2012 hat noch knapp 17 Monate Zeit. Vielleicht können wir froh sein, wenn wir das Ende der Welt an diesem Tag überhaupt noch miterleben…

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Antwort von der Mercator-Halle

Donnerstag, 14. Juli 2011 14:02

Soeben erhalten! Humorlos und teilweise vorgefertigt, aber immerhin eine flotte und scheinbar kompetente Reaktion.

“Sehr geehrter Herr Henrichs,

 

wir danken Ihnen für Ihre Nachricht und Ihre Anmerkungen zum Konzert von Chick Corea am vergangenen Montag in unserem Hause.

 

Wir sind immer interessiert zu erfahren, wie die Gäste der Mercatorhalle die Umsetzung der jeweiligen besuchten Veranstaltung bei uns im Hause wahrgenommen haben. Solche konstruktive Kritik nehmen wir gerne an und sehen sie als Möglichkeit uns ständig zu verbessern und unseren Kunden ein noch höheres Leistungs- und Serviceniveau zu bieten.

 

Wir bedauern zu hören, dass die Umsetzung der Lichttechnik während des Konzertes am 08. Juli aus Ihrer Sicht kritik- und verbesserungswürdig war. Leider lagen diese Einstellungen jedoch nicht in der Hand der Mitarbeiter der Mercatorhalle, da sowohl das Set up als auch sämtliche technische Einstellungen während des Konzertes von den Mitarbeitern der Tourproduktion selbst vorgenommen wurden. Daher hatten wir leider keine Möglichkeit, auf die von Ihnen beanstandeten Punkte einzuwirken.

 

Gerne leiten wir Ihre Email an den Veranstalter, die Stiftung Klavier-Festival Ruhr, weiter, die wiederum in Kontakt mit den Mitarbeitern der Tourproduktion steht.

 

Wir hoffen, es hat Ihnen dennoch bei uns in der Mercatorhalle gefallen und würden uns freuen, Sie bald wieder einmal

bei uns in Duisburg begrüßen zu dürfen.

 

 

 

Mit besten Grüßen”

 

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